Surfen und Chatten am Arbeitsplatz

Surfen und Chatten am Arbeitsplatz

Beim Surfen nicht baden gehen: wie viel Internet bei der Arbeit zulässig ist.

Eine digitalisierte Arbeitswelt macht heute vieles einfacher als früher. Doch noch immer herrscht Unsicherheit darüber, was genau am Computer – genauer: im Internet – erlaubt ist. Darf der Chef seine Mitarbeiter überwachen? Droht bei Verfassen einer privaten E-Mail am Arbeitsplatz die fristlose Kündigung? Der folgende Artikel soll Licht ins Dunkel bringen.

Jeder verstohlene Blick zur Tür kann gefährlich sein. Einfach so tun, als wären Sie beschäftigt. Mit der Arbeit selbstverständlich. Die Augen sind starr auf das Papier gerichtet, während die Finger über die Tastatur fliegen.

Nur noch diese eine kurze E-Mail an die Frau. Dann gehört Ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Aktenstapel. Der Kollege nebenan hat das bestimmt auch schon gemacht. Jeder hier. Nur darüber reden? Lieber nicht! Denn wenn Sie es ansprechen, tragen Sie sofort den Makel des eigennützigen Kollegen am Leib, der die Grenzen des Erlaubten zu seinem Nutzen überdehnen will, oder?

Viele Arbeitnehmer mit Zugang zu einem internetfähigen Computer kennen das Problem: Sie hätten die Möglichkeit, private E-Mails zu beantworten, den nächsten Urlaub zu buchen oder sich halb legal, halb illegal die neueste Musik aus dem Netz zu laden. Was jedoch privat verboten ist – beispielsweise die Speicherung pornografischen Inhalts – ist es auch am Arbeitsplatz.

Die Rechtslage zur Internetbenutzung am Arbeitsplatz ist eindeutig

Ein internetfähiger Computer am Arbeitsplatz gilt als Arbeitsmaterial. Er darf also theoretisch nicht für private Zwecke verwendet werden. Doch in einigen Berufen sind die Grenzen fließend.

Wenn ein Onlineredakteur für einen Artikel zum Thema Abwasserversorgung recherchiert, ist ihm die Lektüre eines Facebook-Postings zum neuen Freibad erlaubt. Wenn ein Automechaniker seine eigentliche Arbeit am Kraftfahrzeug vernachlässigt, weil er unbedingt den Zuschlag auf ein Computerspiel bei Ebay bekommen will, sollte er sich über eine Abmahnung nicht wundern.

Bei begründetem Verdacht kann ein Chef stichprobenartig einen Mitarbeiter auf zu viel private Internetnutzung hin untersuchen. Eine dauerhafte Bespitzelung ist dagegen nicht erlaubt.

Strenge Rechtsbefolgung oder angenehmes Arbeitsklima

Aufgrund von Sicherheitsbedenken kann das private Surfen im Internet vom Firmencomputer aus generell verboten sein. Branchen wie Banken, Telekommunikation und Polizei können sich beispielsweise auf diese Klausel berufen.

Anders sieht es im Bereich der Presse oder des Online-Versands aus. Hier setzen Chefs in der Regel auf die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter. Üblicherweise werden Arbeitsabläufe kaum von privater Internetlektüre unterbrochen oder gar beeinträchtigt. Wer das Internet für die Arbeit benötigt, lässt sich durch privates Surfen weniger ablenken.

Ein Hinweis zum Schluss

Wenn in Ihrem Arbeitsvertrag nicht deutlich oder eindeutig auf die Internetnutzung eingegangen wird, sprechen Sie mit Ihrem Chef. Im Zeitalter von stetig wachsender Digitalisierung und Internetnutzung werden sich die wenigsten völlig gegen die private Nutzung stellen.

Allerdings sollten Sie es nicht übertreiben. Die im Arbeitsvertrag beschriebenen Aufgaben müssen Priorität haben. Die private Nutzung des Internets muss legal sein, sollte sich auf wichtige Dinge beschränken, kann jedoch auf eine Partie Mahjong auf der Internetseite der Neuen Zürcher Zeitung ausgedehnt werden, wenn Sie so den Kopf frei bekommen für die nächste wichtige Aufgabe im Job.

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