Gedächtnistraining: Alles Kopfsache – Potenzial richtig nutzen

Gedächtnistraining: Alles Kopfsache – Potenzial richtig nutzen

Geistige Fitness kann im Prinzip jeder Mensch erlangen, der mit offenen Augen und einer regen Phantasie durchs Leben geht. Teure Kurse oder die bekannten Zeitschriften rund um Methoden zum Training des Gedächtnisses sind gar nicht nötig. Lassen Sie sich durch die folgenden Hinweise inspirieren und bieten Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, um Ihr Gedächtnis wirksam zu trainieren.

Gehirnjogging ist wohl mittlerweile zum beliebtesten Trendsport überhaupt avanciert. Dabei spielt auch eine unbestimmte Hysterie mit und die Angst davor, mit fortschreitendem Alter an Intelligenz einzubüßen und in der Gedächtnisleistung abzubauen. Begriffe wie Gehirnjogging oder geistige Fitness suggerieren zudem nicht nur eine Denkleistung sondern zusätzlich sogar körperliche Betätigung. Dass beides durchaus zusammenhängt und sich sogar gegenseitig positiv beeinflussen kann, erfahren Sie bei der Lektüre dieser kleinen Anleitung für alltagstaugliche, nützliche Übungen zur Verbesserung des Gedächtnisses sowie Anregung von Psyche und Intelligenz. Dabei funktioniert nicht alles auf Anhieb. Wir lernen ein Leben lang und sollten im Idealfall nie damit aufhören. Neugierig sein und bleiben sind die ersten Voraussetzungen für ein funktionsfähiges Gedächtnis, auch im hohen Alter. Probieren Sie einfach die ein oder andere hier beschriebene Übung aus, um Ihren grauen Zellen wieder ein wenig auf die Sprünge zu helfen.

Einseitige Beschäftigungen und Routine sind Gift für unser Gehirn

Routine ist das schlimmste, was unserem Gehirn passieren kann. Ein eintöniger Job auf festgefahrenen Bahnen – jeder Tag verläuft im Grunde ähnlich. Das kann einem Fabrikarbeiter passieren genau wie einem leitenden Angestellten. Für den Betriebsablauf bei der Deutschen Bahn ist es sicher von Vorteil, wenn es zu keinen Verspätungen kommt, doch gerade die Abweichungen sind es, die den Fahrdienstleiter fordern. Hat er sich lange nicht um sein Gedächtnistraining bemüht, wird er Schwierigkeiten haben, unter Druck ruhig zu bleiben und schnell einen gezielten Plan zu entwickeln, um etwa Störungen zu beheben. Ebenso wird ein Chef, der regelmäßig Sitzungen nach dem gleichen Muster abhält und hauptsächlich am Schreibtisch arbeitet, immer weniger offen für Neuerungen sein. Ohne Förderung und Forderung unserer Kreativität und Phantasie verkümmert unser Gedächtnis, schwinden Intelligenz und geistige Fitness.

Der sogenannte Pisa-Schock im Jahre 2000 hat auch außerhalb der allgemeinbildenden Schulen beinahe flächendeckend ein stärkeres Nachdenken über das Training des Gedächtnisses und Methoden zur Verbesserung der Denkfähigkeit ausgelöst. Danach erschienen neben Heften mit Kreuzworträtseln unzählige andere mit Bilderrätseln, Sachaufgaben und anderen Übungen zur vermeintlichen Verbesserung von Gedächtnis und Intelligenz. Auch Sudoku und Kakuro gehören dazu. Zur Abwechslung oder Zeitüberbrückung bei längeren Zugfahrten sind diese Rätsel gut. Doch zur wirklichen Verbesserung des Gedächtnisses dienen sie kaum. Denn auch hier kann sich schnell Routine einstellen, da der Bezug zum Alltag fehlt und die Sudoku-Rätsel keinen anderen Nutzen haben als eben das jeweilige Quadrat mit Zahlen zu füllen.

Gedächtnistraining als Hilfsmittel in den Alltag einbinden

Gehirnjogging als bloßer Sport bringt nicht viel. Effektiv und auf lange Sicht für Arbeit, Beruf und Privatleben gleichermaßen nützlich sind Methoden, die nicht nur einseitig auf das Lernen an sich bezogen sind, sondern vor allem einen praktischen Nutzen haben. Das Gedächtnis zu trainieren beginnt dann bereits damit, sich einen Einkaufszettel im Kopf zu merken, anstatt sich auf das Smartphone zu verlassen. Oder nicht quasi blind dem Navigationssystem im Auto zu vertrauen, sondern einmal wieder mit der Lektüre einer Straßenkarte ans Ziel zu finden. Sie können ein Musikinstrument lernen und sich im Idealfall einer Gruppe anschließen, um gemeinsam zu musizieren. Oder Sie lernen eine Fremdsprache und fahren anschließend in das entsprechende Land, um Ihre neuen Sprachkenntnisse zu testen. In diesem Fall knüpfen Sie zudem soziale Kontakte und tauschen sich über fremde Kulturen aus.

Interaktion mit anderen Menschen ist nicht nur für die Psyche wichtig. Auch für einen wachen Geist und ein intaktes Gedächtnis sind soziale Kontakte unerlässlich. Nicht nur die grauen Gehirnzellen bauen neue Verbindungen auf und schaffen so ein starkes, leistungsfähiges Netzwerk in Ihrem Kopf; mittels Verbindungen zu Ihren Mitmenschen schaffen Sie sich ein soziales Netzwerk. Je engmaschiger Ihr soziales Netzwerk ist, desto vielschichtiger sind Meinungen und Fakten zu einem bestimmten Thema, desto höher ist Ihre Möglichkeit, andere mit Ihrer Kreativität und Ihrem Enthusiasmus anzustecken. Lesen Sie gern? Dann gründen Sie doch einen Literaturklub – tauschen Sie sich über gelesene Inhalte aus. Oder spielen Sie Schach, Backgammon, Go oder ein anderes komplexes Strategiespiel. Je mehr Spielzüge möglich sind, desto besser und komplexer ist Ihr Verstand gezwungen, bereits erlernte Strategien anzuwenden und neue auszuprobieren. Doch auch hier gilt: spielen Sie nicht nur ein Brettspiel. Erfreuen Sie Ihre Familie oder Arbeitskollegen ab und zu mit einem neuen Spiel, dessen Anleitung erst gelernt werden muss. Das heißt selbstverständlich nicht, dass ein normales Memory-Spiel nicht auch Ihren Geist anregen kann und darüber hinaus Ihnen und Ihrer Familie Spaß bringt.

Und schließlich ist es durchaus verlockend, im Internet nach immer neuen, interessanten Denksportaufgaben, Intelligenztests oder komplexen Strategiespielen und Wirtschaftssimulationen zu suchen. Am Bildschirm findet allerdings kaum Interaktion statt. Und da die meisten Menschen heutzutage bereits während der Arbeit vor dem Computer sitzen, bietet sich die Abwechslung hin zum physisch greifbaren Brettspiel während der Freizeit geradezu an.

Einfache Methoden und sinnvolles Training für ein effektives Gedächtnis

Greifen wir ein besonders wirkungsvolles und nützliches Lernprogramm erneut auf: das Erlernen einer neuen Sprache. Das neu zu Lernende wird am wirkungsvollsten mit bereits Bekanntem verknüpft. Die neuen Vokabeln lernt man also am besten, indem man sich die dazugehörigen Bilder einprägt. Mittlerweile gibt es sogar Wörterbücher, die nach diesem Prinzip aufgebaut sind. Und auch teure Computersprachprogramme bedienen sich dieser Methode. Kostengünstig und erneut interaktiv können Sie alternativ Ihre Wohnung zu einem virtuellen Wörterbuch umfunktionieren. Kleben Sie einfach mit den Fremdwörtern beschriftete Zettel an die realen Entsprechungen in Ihrem Haus und memorieren Sie so jede Vokabel, sobald Sie Ihnen begegnet. Auf ähnliche Weise funktionieren die guten alten Karteikarten, die Sie auf der Vorderseite mit dem Fremdwort, auf der Rückseite mit der deutschen Entsprechung beschriften.

Bilder oder kleine Geschichten können auch bei anderen Gedächtnisleistungen helfen. Bei der umgangssprachlich „Eselsbrücke“ genannten Hilfe wird das Neue oder der zu memorierende Begriff mit etwas Bekanntem verknüpft; bei der Loci-Methode ordnet man die Begriffe bestimmten Orten zu. So kann man sich etwa die eigene Küche vorstellen, wo alles seinen Monate oder Jahre erprobten Platz hat. Sollen Sie etwa einen freien Vortrag halten, können Sie einzelne Stichworte an Gegenstände in Ihrer Küche heften. Wenn Sie mögen, verbinden Sie die Stichworte und Gegenstand zu einer phantasievollen Geschichte. Memorieren Sie nun die Geschichte oder sammeln Sie die Stichworte von den Gegenständen wieder ein. Auf diese Weise erinnern Sie sich auch an die genaue Reihenfolge Ihrer Stichworte und bringen später bei Ihrem Referat nichts durcheinander.

Damit Sie sich auch etwas dauerhaft einprägen, um es später immer wieder abrufen oder anwenden zu können, werden oft zwei unterschiedliche Dinge miteinander verknüpft – neue Verbindungen entstehen, so wie Verbindungen zwischen einzelnen Gehirnzellen. Musiker kennen dieses Prinzip, wenn sie ein Musikstück nur oft genug üben, könnten sie es irgendwann mit verbundenen Augen spielen, denn nicht nur die Tonabfolge wird gelernt, sondern auch die Fingerbewegungen. Wiederholungen sind also beim Lernen und enormen Gedächtnisleistungen unabdingbar. Am besten memorieren Sie gelernte Dinge bei einem Spaziergang in der Natur. Wie oft erinnern sich Menschen an bestimmte Ereignisse, wenn sie an den Ort des Geschehens zurückkehren. Auch hier hat unser Gehirn das Ereignis und gewissermaßen den Tatort miteinander verknüpft. Beim Spazierengehen können Sie dann in Gedanken wieder in Ihre Küche gehen, um sich selbst anhand der dort abgelegten Stichworte Ihren Vortrag zu erzählen. Ebenso können Sie vorgehen, wenn Sie Vokabeln lernen. Einen Teil des zu Lernenden laut auszusprechen, ist eine weitere leistungssteigernde Variation.

Darüber hinaus haben auch bestimmte Tageszeiten einen nicht geringen Einfluss auf unser Vermögen, uns etwas zu merken oder uns gar dauerhaft einzuprägen. Morgenstunden etwa sind für erstmaliges Lernen ideal. Kurz nach dem Aufstehen, der morgendlichen Dusche und einem gesunden Frühstück sind Sie munter und unbelastet und können daher am besten neue Aufgaben in Angriff nehmen. Nachtstunden wiederum, also die Zeit direkt vor dem Einschlafen, ist zum wiederholten Lernen am besten geeignet. Nicht nur Morgenstund hat also Gold im Mund; tatsächlich ist auch das berühmte Lernen im Schlaf kein Mythos.

Fazit: Geistiges Potenzial nutzen mit Abwechslung und Phantasie

Für einmalig zu haltende Vorträge zu einem ganz speziellen Thema ist es nicht immer sinnvoll, sich die Inhalte dauerhaft zu merken. Und wer verzweifelt heutzutage noch daran, Telefonnummern von Freunden oder Geschäftspartnern gerade nicht parat zu haben? Immerhin ist alles Nützliche und Notwendige doch in Ihrem Smartphone gespeichert. Doch gerade mit diesen Hilfsmitteln der modernen Zivilisation verkümmert unsere geistige Flexibilität immer mehr. Verlieren wir das Smartphone in einer uns fremden Umgebung, sind wir – zumindest für eine bestimmte Zeit – vollkommen hilflos und finden uns nur schwer ohne die Technik zurecht.

Es muss nicht immer direkt um Leben und Tod gehen, doch wenn wir unsere Gehirnleistung und -kapazität täglich trainieren, wenn wir uns spielerisch – beinahe nebenbei – Wissen aneignen mit Hilfe von Strategien, die uns bei anderen Aufgaben in Beruf und Alltag weiterhelfen, dann halten wir unseren Geist fit und gesund. Was wir unserem Körper an Gutem tun, sollte doch erst recht für unseren Kopf gelten. Oder?

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