Führungskräfte von morgen

Führungskräfte von morgen

Barmherzig und bescheiden – Führungskräfte von morgen sind Meister der Softskills

Was eine gute Führungskraft ausmachen sollte, liegt bereits in ihrem Namen: anführen, Vorbild sein, mit ihrer Kraft die Mitarbeiter anspornen und mitreißen. Doch wie schaffen das die Führungskräfte von morgen?

Der römische Kaiser Hadrian trug seinen Spitznamen „Reisekaiser“ nicht umsonst. Zu seiner Regierungszeit im ersten Drittel des 2. Jahrhunderts n.Chr. hatte sich das Römische Reich zu seiner umfangreichsten Größe ausgedehnt. Dennoch versuchte Hadrian, jeden einzelnen römischen Bürger zu erreichen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn der Kaiser hatte verstanden, dass persönlicher Kontakt sowohl zum Bauern in Syrien wie auch zum Töpfer in Britannien essentiell war für einen stabilen Zusammenhalt des Reiches.

Dieses Prinzip lässt sich auf moderne Führungskräfte übertragen. Seit einigen Jahren forscht Google im Rahmen seines „Project Oxygen“ nun bereits an Merkmalen und Strategien guter Führungskräfte. Was als interne Studie begann, um die eigene Führungsriege zu optimieren, ist nun als vorläufiges Ergebnis im Netz verfügbar. Demnach ist es von essentieller Wichtigkeit, dass gute Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern regelmäßig Einzelgespräche führen. Wer jetzt mit Grauen an seinen eigenen Vorgesetzten denkt und hofft, dass das in seiner Firma hoffentlich nie Realität wird, dem sei dieser Punkt nachfolgend etwas näher erläutert.

Effektiv und ohne Angst miteinander reden

Insbesondere in Firmen mit zahlenmäßig hoher Belegschaft wären regelmäßig stattfindende Einzelgespräche gewiss kontraproduktiv, vor allem für den Chef. Google schlägt vor, mit jedem Mitarbeiter aller ein bis zwei Wochen ein einstündiges Gespräch zu führen. Quantitativ mag das die ideale Zeitspanne bei perfekter Sprechdauer sein. Doch in einer Firma mit beispielsweise einhundert Mitarbeitern sollte ein halbstündiges Gespräch in jedem Monat genügen. Wichtiger ist ohnehin die Qualität einer derartigen Unterhaltung.

Und die sollte nicht auf Angst beruhen. Für ein Personalgespräch zum Chef der Firma zitiert zu werden, hat bei speziellen Berufen noch immer einen negativen Ruf. Der Angestellte erwartet dann oft das Schlimmste. Bei einem derartigen persönlichen Gespräch sollte es jedoch darum gehen, Missstände offen aussprechen zu können und auch das Positive mitzuteilen, das, was gut läuft. Der Führungskraft sollte daran gelegen sein, dass es seinen Angestellten gut geht. Dazu gehört, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen und dem Mitarbeiter das Gefühl zu vermitteln, dass er mit Problemen sofort zu seinem Vorgesetzten kommen kann.

Wichtig ist bei einem Gespräch unter vier Augen, dass die Führungskraft aktiv zuhört. Dazu gehört vor allem, zum Gehörten passende Nachfragen zu stellen und Vorschläge des Angestellten zu notieren. Der Chef soll nicht selbst monologisieren und den Mitarbeiter gar nicht zu Wort kommen lassen. Auch hier schlägt Google vor, dass die Führungskraft lediglich zehn Prozent der Redezeit für sich beanspruchen soll. Die übrigen neunzig Prozent soll der Mitarbeiter darüber sprechen können, welche Fortbildungsmöglichkeiten er gerne in Angriff nehmen möchte, wie er mit den Kollegen auskommt, ob es Probleme gibt und welche Verbesserungsmöglichkeiten er im Betriebsablauf sieht. All das sollte der Chef ernst nehmen und bei Nützlichkeit auch versuchen umzusetzen. Es ist also nicht nur wichtig, offen zu sein für Input. Wenn der Chef für einen sinnvollen Output sorgt, sieht der Mitarbeiter durch Taten, dass er ernst genommen wird und aktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen kann.

Delegieren können und ohne übermäßige Kontrolle den Mitarbeitern vertrauen

Gut und effektiv miteinander reden zu können, ist jedoch nur eine Seite des respektvollen und zielorientierten Umgangs zwischen einer modernen Führungskraft mit ihren Mitarbeitern. So wird zunächst die feste Grundlage geschaffen, damit es allen Angestellten gut geht und sie wissen, wie sie zum Erfolg der Firma beitragen können. Offene Kommunikation ist jedoch auch wichtig, wenn es generell um Firmeninterna geht. Wenn eine Führungskraft zu viele Informationen zurückhält, schafft das nicht nur Misstrauen unter den Mitarbeitern. Nein, es kann auch zur Überlastung der Führungskraft führen, wenn sie glaubt, alles selbst regeln und steuern zu müssen.

Das Zauberwort heißt hier: delegieren. Und zwar so, dass die Angestellten eigenverantwortlich in ihrem Bereich agieren können. Rücksprache mit der Führungskraft sollte nur bei schwerwiegenden Entscheidungen nötig sein. Führungskräfte von morgen kontrollieren also nicht jeden Handgriff, sondern lassen ihre Mitarbeiter frei entscheiden. Kein Kontroll-Freak zu sein, heißt im Umkehrschluss dann auch, sich selbst auf die wichtigen Dinge als Chef konzentrieren zu können. Zu diesem Punkt gehört auch, als Führungskraft ein guter Coach zu sein. Gewisse rhetorische Fähigkeiten zu besitzen, sollten zum Standard einer modernen Führungskraft gehören. Tätigkeiten, die delegiert werden, müssen zuvor besprochen und gelehrt werden. Dafür sind Gruppen-Meetings nützlich, die gleichzeitig den Zusammenhalt innerhalb der Firma stärken.

Letztlich ist eine Führungskraft dazu da, die Fäden zwar in der Hand zu halten. Doch die Leine sollte nicht zu fest gezurrt sein. Dabei hat ein Chef das große Ganze im Blick, arbeitet produktiv und ergebnisorientiert. Um das Unternehmen weiterzuentwickeln, sollte die Führungskraft Möglichkeiten bereitstellen zur Weiterentwicklung der Mitarbeiter. Am Ende kommt das nicht nur dem Unternehmen zugute, sondern auch den einzelnen Mitarbeitern, deren Begabungen erkannt und gefördert werden, die mit Freude zur Arbeit kommen, weil der Chef sie respektiert sowie ihnen und ihren Fähigkeiten vertraut.

Als Chef selbst mit gutem Beispiel vorangehen

Der römische Kaiser Julian setzte im 4. Jahrhundert n.Chr. auf ein anderes Merkmal, das Führungspersönlichkeiten auszeichnen kann: die unbedingte Bedürfnislosigkeit bis hin zur Selbstaufgabe. Julian begann seine Herrschaft über das Römische Reich als Kriegsherr und pflegte währenddessen in einem einfachen Zelt auf bloßer Erde zu nächtigen, dabei nur wenige Stunden schlafend. Er trug schlichte Kleidung und nahm auch sonst keinerlei Vergünstigungen an, die ihm qua seines Amtes eigentlich zugestanden hätten. Mit dieser Art zu leben und zu herrschen wollte er mit gutem Beispiel voran gehen, mit wenig zufrieden zu sein.

Obwohl Julian vor mehr als 1.600 Jahren gelebt hat, kann er Führungskräften von morgen dennoch als Vorbild dienen. Denn der autoritäre Führungsstil des vergangenen Jahrhunderts hat längst ausgedient. Mittlerweile kommt es bei Führungskräften darauf an, dass sie sich nicht über ihre Mitarbeiter erheben. Mit gutem Beispiel vorangehen, funktioniert auch heute wie in jeder Erziehung. Wenn ein Chef beispielsweise gut organisiert ist, feste Zeiten für stets wiederkehrende Tätigkeiten hat und dieses Wissen an seine Mitarbeiter weitergibt, dann wird sich die Arbeitsleistung der gesamten Firma verbessern. Legt der Chef stattdessen einen ausschweifenden Führungsstil an den Tag oder führt dazu noch lange Privatgespräche am Telefon, dann überträgt sich dieses Verhalten irgendwann auf die Belegschaft.

Das richtige Maß finden zwischen flacher Hierarchie und Vorbildfunktion

Einige römische Kaiser können noch heute als Vorbilder für moderne, zukunftsorientierte Führungskräfte dienen. Sie müssen zwar nicht so oft und so viel herumreisen wie Hadrian, um jedem einzelnen Mitarbeiter die volle Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen. Und ganz gewiss müssen Sie sich nicht derart extrem selbst kasteien, wie es Julian getan hat. Sich zwar abheben von der Belegschaft und immer versuchen, ein bisschen mehr zu tun, doch sich nicht völlig entfernen und versuchen wollen, es allen recht zu machen – denn ein Zuviel von etwas behindert auf lange Sicht den Erfolg.

Seien Sie menschlich und bestimmt, besonnen und zielorientiert. Auch oder gerade weil unser Arbeitsleben immer mehr von technischen Dienstleistungen und Dienstleistern bestimmt wird, kommt es bei den menschlichen Mitarbeitern in zunehmendem Maße auf Softskills an. Führungskräfte von morgen sind bescheiden, ohne sich selbst zu kasteien.

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