Existenzgründung – Frauen gründen anders

Existenzgründung – Frauen gründen anders

Auch im 21. Jahrhundert entscheiden sich noch immer weniger Frauen als Männer für den Weg in die Selbständigkeit. Wenn sie aber ein Unternehmen gründen, sind sie mindestens genauso erfolgreich wie ihre männlichen Kollegen. Das wiederum liegt nicht an der besseren Qualifikation. Flexibilität und Durchhaltevermögen sind zwei elementare Eigenschaften, die erfolgreiche Gründerinnen unbedingt mitbringen sollten.

Männliche Gründer sind in der Überzahl

Bevor eine Frau beschließt, sich selbständig zu machen, kann eine ganze Zeit ins Land gehen. Lange Zeit versucht sie als Hausfrau und Mutter, jede familiäre Verpflichtung zu erfüllen. Sie arbeitet vielleicht in Teilzeit, sie übernimmt den Haushalt und die Versorgung und die Erziehung der Kinder. Doch dieser enorme Spagat zwischen Beruf und Familie kann zur großen Belastung werden. Vielleicht hat sie sogar eine hervorragende akademische Ausbildung absolviert, die sie nach der Geburt der Kinder in einer Teilzeitstelle nicht mehr adäquat nutzen kann. Die Gründung einer eigenen Existenz kann dann ein Weg sein, aus diesem Dilemma zu entkommen und vor allem der familiären Verpflichtung noch besser nachzukommen. Männer sehen sich mit diesen Herausforderungen eher selten konfrontiert. Sie bleiben seltener zu Hause und nutzen die Elternzeit, wenn Kinder kommen. Noch immer übernehmen viele Männer nur einen geringen Teil der Hausarbeit. Sehr häufig ist ihr Einkommen deutlich höher als das der Partnerin. Die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist also für Männer nicht unbedingt ausschlaggebend, wenn sie sich selbständig machen wollen. Doch oft ist es der Wunsch, sein eigener Chef zu sein, sich die Arbeit flexibel einteilen zu können und auch eine besondere Gabe zu haben, die man als Dienstleistung oder als Gewerbe am Markt anbieten kann. In dieser Situation sind Männer meist risikobereiter als Frauen und gehen die Existenzgründung konsequent an. Aktuelle Studien belegen dann auch, dass nur rund 30 Prozent der Existenzgründer weiblich sind. Selbst die Daten der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Gründer in Deutschland nachhaltig mit attraktiven Finanzierungen unterstützt, bestätigen diese Zahlen. Auch die KfW hat es bisher nicht geschafft, diesen Trend am Markt umzudrehen. Betrachtet man dagegen innovationslastige Startups in den schnell wachsenden Branchen, ist das Bild noch deutlicher. Hier sind nur etwa 13 Prozent der Gründer weiblich. Es scheint also, also sollten Frauen etwas weniger risikobereit und dafür sehr besonnen vorgehen. Doch worin unterscheiden sie sich von Männern, wenn sie sich selbständig machen?

Gleichberechtigung ist ein Trugschluss

Die HypoVereinsbank hat in einer neueren Studie Gründerinnen nach den Chancen auf dem Arbeitsmarkt befragt. Über 60 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, dass Männer ihrer Meinung nach bei einer Existenzgründung bevorzugt sind. Gerade 20 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass Frauen die gleichen Chancen auf dem Markt haben wie Männer. Doch die Statistik belegte auch, dass weibliche Gründerinnen genauso erfolgreich sind wie männliche. Ihre Unternehmen halten sich genauso lange und beständig am Markt wie die Firmen der männlichen Gründer. Wenn sich also eine Hausfrau und Mutter selbständig macht, weil sie ihre familiäre Verpflichtung erfüllen will, hat sie letztlich objektiv betrachtet die gleichen Chancen wie ein Mann, selbst wenn die subjektive Empfindung anders sein mag. In der Gründerszene wird die Kluft zwischen männlichen und weiblichen Gründern als „Gender Gap“ bezeichnet. Wenn Sie sich aber einmal entschlossen haben, eine eigene Existenz zu gründen, fehlen Ihnen angesichts dieser Faktenlage natürlich die erfolgreichen Vorbilder. Es gibt einfach relativ wenige Frauen, die sich selbständig gemacht haben und die mit Erfolg ein Unternehmen führen. Ist der Schritt aber einmal gewagt, berichten viele weibliche Gründerinnen von den großen Vorteilen, denn als Inhaber eines eigenen Unternehmens können sie ihre Arbeitszeiten selbst bestimmen und Familie, Kinder und Beruf im gewünschten Maße unter einen Hut bringen. Dem Unternehmen in letzter Konsequenz die größere Priorität einzuräumen, ist nämlich für viele Frauen nicht vorstellbar. An dieser Stelle unterscheiden sie sich sehr deutlich von ihren männlichen Kollegen.

Während sich Männer aber meist ganz gezielt auf dem Markt umsehen und sich eine eigene Lücke schaffen, gehen Gründerinnen anders vor. Sie wollen mit der Gründung eines Unternehmens ein Bedürfnis decken, für das sie selbst noch keine Lösung auf dem Markt gefunden haben. Nicht selten entsteht ein erfolgreiches Unternehmen aus einer Dienstleistung, die es in dieser Form bisher noch nicht am Markt gab und die Sie als Frau schlicht vermisst haben. Ist die Idee für eine Existenzgründung dann erst einmal geboren, stellen Sie schnell fest, dass auch andere Frauen und Männer einen entsprechenden Bedarf haben. Im Handumdrehen ist dann die Basis für eine beständige Gründung gelegt, auch ohne dass Sie sich vorher großartig Gedanken um ein Geschäftsmodell machen mussten.

Misserfolge als der größte Hemmschuh

Ein weiterer großer Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gründern ist die Angst vor dem Scheitern. Als Hausfrau und Mutter sind Sie vermutlich weniger bereit, ein großes Risiko für Ihre Existenzgründung auf sich zu nehmen. Sie suchen Sicherheit für sich und Ihre Familie. Schon deshalb gibt es weniger Unternehmerinnen. Die Angst zu scheitern ist einfach in der weiblichen Natur stärker ausgeprägt als bei den Männern. Doch diese Angst macht auch einen wichtigen Erfolgsfaktor aus. Männer können sich zwar besser vermarkten, doch weibliche Gründer schätzen ihre Chancen besser ein. Um sich aus dieser unnötigen Angst zu befreien, kann es hilfreich sein, wenn Sie sich frühzeitig ein Netzwerk schaffen. Es hängt also nicht daran, dass Sie als Frau keine Gründerpersönlichkeit sind! Sobald Sie sich zum ersten Mal mit dem Gedanken an eine Selbständigkeit beschäftigen, suchen Sie Kontakte zur Gründerszene. Melden Sie sich auch als Hausfrau und Mutter in Gründerinnen-Netzwerken und Clubs an oder nehmen Sie an Stammtischen in Ihrer Region teil. Sie knüpfen Sie neue Kontakt, Ihr Netzwerk erweitert sich Schritt für Schritt. Vielleicht bieten solche Stammtische, Clubs oder Gründerinnen-Netzwerke auch neue Anregungen, wie Sie Ihr eigenes Unternehmen aufbauen könnten. So sollte es langsam aber sicher gelingen, die großen Ängste in sich abzubauen und die Gründerpersönlichkeit in sich selbst zu entdecken.

Sobald das Netzwerk wächst und Sie in der Gründerszene langsam Fuß fassen, wird es Ihnen auch als Hausfrau und Mutter möglich sein, an die Gründung Ihres eigenen Unternehmens zu denken. Jetzt sollte es keine Zweifel mehr geben, dass auch in Ihnen eine Gründerpersönlichkeit steckt, die mit einem eigenen kleinen Betrieb an den Start gehen kann und die beste Chancen hat, gegen die Konkurrenz zu bestehen.

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