EU Fluggastrechte im Überblick

EU Fluggastrechte im Überblick

Viele Menschen zieht es in ihrem Urlaub in die Ferne, doch darüber hinaus sind Flugreisen für die meisten von uns nicht alltäglich. Besonders in den letzten Wochen gab es zusätzlich einige Meldungen von Passagieren, denen aufgrund ihrer Kleidung der Zutritt zum Flugzeug verweigert wurde oder die zum Teil mit körperlicher Gewalt wieder aus dem Flugzeug entfernt wurden, da der Flug überbucht war. So fragen vielleicht auch Sie sich „Welche Rechte habe ich eigentlich als Fluggast?“.

Gute Nachrichten für Passagiere aus Europa

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben sich diesbezüglich auf Bestimmungen über die Rechte der Fluggäste geeinigt und weiterhin offizielle Durchsetzungsstellen eingerichtet. Diese seit Februar 2005 in Kraft getretene Fluggastrechte-Verordnung gilt für Passagiere von Flügen innerhalb der EU bzw. von Flügen, die von einer Fluggesellschaft mit Sitz in der EU, Schweiz, Island oder Norwegen angeboten werden. Für Flüge aus Drittländern bzw. mit Fluggesellschaften die in einem nichteuropäischen Land registriert sind, sind sie hingegen nicht bindend, auch wenn diese Flüge Ziele in Europa ansteuern.

Wann kommt das Fluggastrecht zum Tragen? Und an wen kann ich mich wenden?

Bei größeren Verspätungen, bei Annullierung von Flügen sowie bei Nichtbeförderung besonders bei Überbuchung können Sie sich an Ihre Fluggesellschaft als Leistungsverpflichteter wenden. Auch bei Pauschalreisen sind eventuelle Ansprüche nicht gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen, sondern direkt bei der ausführenden Fluggesellschaft. Offizielle Durchsetzungs- und Beschwerdestelle in Deutschland ist das Luftfahrt-Bundesamt. Diese überwacht außerdem die Einhaltung von Bestimmungen zum Endpreis eines Flugtickets, welcher so für den Endverbraucher transparent gemacht werden soll. Vermeintliche Verstöße können beim Luftfahrt-Bundesamt zur Anzeige gebracht werden. Dieses kann nachgewiesene Verstöße gegenüber den Unternehmen verfolgen, jedoch keine zivilrechtlichen Ansprüche, wie Ausgleichs-, Erstattungsleistungen oder sonstigen Schadensersatz durchsetzen. In privatrechtlichen Fällen erhalten Sie kostenlose Hilfe bei der Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr e.V..

Welche Rechte haben Passagiere bei Flugverspätungen?

Ab einer Verspätung von mehr als 2 Stunden haben Sie das Recht auf Betreuungsleistungen am Flughafen. Das heißt Kosten für Verpflegung sowie Telefonate oder E-Mails werden von Ihrer Fluggesellschaft übernommen. Kostenloser Zugang zu Toiletten ist selbstverständlich. Ist die Wartezeit so lang, dass eine Übernachtung notwendig wird, muss die Fluggesellschaft auch für diese Kosten sowie den Transfer zur Unterkunft und wieder zurück zum Flughafen aufkommen.

Bei einer mehr als 3 Stunden verspäteten Ankunft am Zielflughafen steht Ihnen weiterhin das Recht auf Entschädigung zu. Die Entschädigungszahlungen liegen je nach Wartezeit und Entfernung zum Zielort zwischen 250€ und 600€. Diese stehen Ihnen allerdings nicht zu, wenn Sie rechtzeitig über die Verspätung informiert wurden bzw. außergewöhnliche, für die Fluggesellschaft unvermeidliche Umstände vorliegen, wie beispielsweise bei dem Vulkanausbruch in Island im April 2010.

Bei einer Flugverspätung von über 5 Stunden haben Sie zusätzlich das Recht auf Ersatzbeförderung bzw. auf Ticketkostenersatz. Sie können also entweder von Ihrem Flug zurücktreten und haben somit Anspruch die gesamten Ticketkosten innerhalb von einer Woche nach Abflugdatum erstattet zu bekommen oder Sie nehmen das Recht auf Ersatzbeförderung zum Reiseziel in Anspruch. Doch Vorsicht! Die Ersatzbeförderung kann auch mit anderen Transportmitteln, wie Bus oder Zug erfolgen.

Wie verhält es sich mit Anschlussflugverspätungen?

Verpassen Sie aufgrund einer Flugverspätung Ihren Anschlussflug, so steht Ihnen ein Anspruch auf Entschädigung zu. Ausschlaggebend ist hier allerdings, dass die Verspätung mindestens 3 Stunden beträgt.

Bei wiederum mehr als 5 Stunden Verspätung steht Ihnen ebenfalls das Recht auf Ersatzbeförderung bzw. Ticketkostenersatz zu. Außerdem können Sie einen Transport zurück zum Abflughafen verlangen. Wenn Sie das Recht auf Ersatzbeförderung wahrnehmen stehen Ihnen in den meist langen Wartezeiten ebenfalls Betreuungsleistungen zu (siehe oben).

Was kann ich bei Annullierung meines Fluges tun?

Bei einem Flugausfall oder -abbruch, der von der Fluggesellschaft verschuldet ist, besteht grundsätzlich immer ein Anspruch auf Entschädigung. Es sei denn Sie wurden mindestens 14 Tage zuvor darüber informiert. Wenn Ihnen diese Information nicht oder nicht rechtzeitig vorlag, können Sie Ihre Ticketkosten zurückfordern oder auf eine Ersatzbeförderung bestehen. In diesem Fall stehen Ihnen ebenfalls Betreuungsleistungen innerhalb der entstandenen Wartezeit durch die Fluggesellschaft zu.

Welche Rechte habe ich bei Flugüberbuchung?

Eine Überbuchung ist eindeutig ein Versäumnis der Fluggesellschaft, welches meist durch Extrazahlungen oder Übernachtungsangebote an einzelne Passagiere reguliert wird. Wenn Sie allerdings aufgrund von Überbuchung Ihren Flug nicht wahrnehmen können, haben Sie die Option auf eine Entschädigung oder einer Ersatzbeförderung. Bei entstehenden Wartezeiten auf eine Ersatzbeförderung muss die verantwortliche Airline wiederum für die Betreuung am Flughafen aufkommen.

Was tun bei Verlust, Verspätung oder Schaden am Gepäck

Wenn Ihr Gepäck beschädigt wurde oder etwas fehlt sollten Sie dies idealer Weise sofort, spätestens aber nach 7 Tagen schriftlich melden. Dokumentieren Sie den Vorfall am besten mit Fotos und bewahren Sie Ihr Ticket sowie den Gepäckabschnitt auf. Regulär steht Ihnen ein Ersatzanspruch für den entstandenen Schaden bis zu einem Betrag von 1.100 € zu. Handgepäck betrifft dies nur, wenn ein Verschulden der Fluggesellschaft vorliegt.

Wenn Ihr Gepäck am Ankunftsflughafen nicht ankommt, muss die Airline Ihnen zunächst die nötigen Hygieneartikel sowie Unterwäsche zur Verfügung stellen bzw. Einkäufe rückerstatten. Ansprüche dazu müssen Sie innerhalb von 21 Tagen geltend machen.

In 95% der Fälle taucht das Gepäck innerhalb weniger Tage wieder auf und wird Ihnen freiwillig von der Fluggesellschaft Freihaus geliefert. Bei Selbstabholung können Sie sich die entsprechenden Fahrtkosten erstatten lassen.

Nach 21 Tagen wird vom Verlust des Gepäcks ausgegangen. In diesem seltenen Fall haben Sie regulär Anspruch auf Ersatz bis zu einem Betrag von ca. 1.100 €. Wenn der Verlust des Gepäcks allerdings in der Qualität bzw. einem Defekt des Gepäckstücks begründet liegt, haftet die Fluggesellschaft nicht.

Wichtig in Problemfällen

Egal welches Problem Sie bei Ihrer Flugreise ereilen sollte, bewahren Sie alle Belege gut auf und lassen Sie sich den Problemfall schriftlich vor Ort bestätigen. Sammeln Sie auch die Quittungen die Ihre Versorgung belegen und reichen Sie diese gegebenenfalls bei der Fluggesellschaft ein.

Bildquelle: © Jan Vasek | www.pixabay.com