Bitcoins: mit Gründungsmythos und Goldgräberstimmung zum Erfolg

Bitcoins: mit Gründungsmythos und Goldgräberstimmung zum Erfolg

Kryptowährung. Blockchain. Mining-Farmen. Diese drei Begriffe rund um die digitale Währung Bitcoin genügen bereits, um potentielle Nutzer abzuschrecken. Wie das System Bitcoins funktioniert, soll hier auf anschauliche Weise beschrieben werden. Damit sich für Sie der digitale Bitcoin-Nebel lichtet. Damit Sie selbst entscheiden können, ob Sie künftig in digitales Geld investieren möchten.

Jede erfolgreiche Geschichte beginnt mit einem Gründungsmythos. Im Falle der Bitcoins gibt es sogar zwei. Am Anfang der Bitcoin-Historie steht ein Name: Satoshi Nakamoto. Er zeichnet als Autor der wissenschaftlichen Veröffentlichung „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ aus dem Jahre 2007 verantwortlich. Das sogenannte White Paper (so etwas wie eine Anwenderbeschreibung zu IT-Themen), das online als PDF verfügbar ist, kann jedoch nicht eindeutig einem realen Verfasser zugeordnet werden. Der Name Satoshi Nakamoto ist also ein Pseudonym, entweder für eine reale Person oder ein Autorenkollektiv.

Der zweite Gründungsmythos hat ein wenig mehr Substanz. Er rankt sich um die erste Transaktion, die mit Bitcoins vorgenommen wurde. Dabei soll es sich um zwei Pizzen gehandelt haben, die anno 2008 ganze 10.000 Bitcoins gekostet haben. Nach heutigen Maßstäben von Anfang Juli 2019 sind das umgerechnet rund 100 Millionen Euro. Ein Indiz dafür, dass sich der Wert der Bitcoins in nur elf Jahren um ein Vielfaches erhöht hat. Wie kam es dazu? Wie funktioniert das System Bitcoins? Und sind Bitcoins eher Zahlungsmittel, Wertanlage oder Spekulationsobjekt?

Was sind Bitcoin und Blockchain?

Bitcoin bedeutet grob übersetzt „digitale Münze“. Bitcoins sind damit eine Kryptowährung, also Geld, das es nicht als physische Entsprechung gibt. Als Satoshi Nakamoto 2007 die theoretische Grundlage für Bitcoins schuf, erfand er gleichzeitig die erste Kryptowährung der Welt. Mittlerweile gibt es über 4.500 Kryptowährungen. Bitcoins werden nicht von staatlichen Institutionen oder Banken gesteuert oder überwacht. Sie ermöglichen im Idealfall kostenfreie Transaktionen weltweit ohne Zeitverzögerung. Alle Teilnehmer im Bitcoin-Netzwerk sind gleichberechtigt und können sämtliche Dienste sowohl in Anspruch nehmen als auch anbieten.

Die Blockchain ist Basis und Zahlungssystem der Bitcoins. Übersetzt bedeutet Blockchain „Kette aus Blöcken“. Ein Block ist jeweils für zehn Minuten aktiv und speichert sämtliche Transaktionen und Informationen, die in diesem Zeitfenster vorgenommen werden. Sind die zehn Minuten abgelaufen, wird der Block in verschlüsselter Form an die bestehende Blockchain gehängt. Ein neuer Block nimmt für die folgenden zehn Minuten die nächsten Transaktionen auf. Und so weiter. Aus diesem System ergeben sich vier Eigenschaften der Blockchain: sie ist dezentral, irreversibel, transparent und anonym.

Wie funktioniert das System der Bitcoins?

Im Gegensatz zu herkömmlichen Zahlungssystemen, bei denen in einer zentralen Stelle alle Transaktionen zusammenlaufen, funktionieren Bitcoins und Blockchains dezentral. Die Basis ist die P2P-Datenbank, also Peer-to-Peer, übersetzt: ein Netzwerk aus allen teilnehmenden Rechnern ohne Zentrale. Um teilnehmen zu können, benötigen Sie ein Wallet, also eine digitale Geldbörse (gewissermaßen Ihr Bitcoin-Konto) sowie Ihren persönlichen Private Key. Seriöse Wallet-Anbieter in Deutschland sind beispielsweise Bitcoin.de und Etoro. Der Private Key besteht aus einer Folge von 64 Zahlen und Buchstaben, der bei der Kontoerstellung zufällig generiert wird. Bei künftigen Transaktionen fungiert der Private Key als Ihr digitaler Fingerabdruck.

Die jeweils aktuelle Blockchain kann von jedem aktiven Teilnehmer eingesehen werden. Denn jeder neue Vorgang im Bitcoin-System wird dezentral eingeschrieben, weshalb er für jeden teilnehmenden Rechner unmittelbar einsehbar ist. Jede Transaktion ist daher transparent, durch die Verschlüsselung jedoch gleichzeitig anonym. Jeder per Codierung angehängte Block an der Blockchain ist irreversibel, kann also im Nachhinein nicht mehr verändert werden. Jeder einzelne Vorgang wird in einen Block eingeschrieben. Das gilt auch für Rückbuchungen. Nach heutigem Wissensstand sind Missbrauch oder Betrug mit Zahlungen per Bitcoin und Blockchain weitestgehend ausgeschlossen.

Wie und wo können Bitcoins erworben werden?

Bei der Anmeldung zum Bitcoin-Netzwerk geben Sie Ihren Namen und ein Girokonto an. Von dem können Sie Euro in Ihr Wallet transferieren und in Bitcoins umtauschen. Die weitaus attraktivere Möglichkeit wird mit dem Begriff Mining zusammengefasst. Hierbei handelt es sich um das Schürfen von Bitcoins. Die Nähe zum Goldrausch des 19. Jahrhunderts in Kalifornien und Alaska liegt in den Komponenten Glück und Geduld begründet. Mit für das Bitcoin-System hergestellten ASIC-Chips und einer speziellen Software können Sie sich mit dem Bitcoin-Netzwerk verbinden. Nun läuft Ihr Rechner rund um die Uhr, um die nächste Aufgabe der Blockchain zu errechnen. Was hat es damit auf sich?

Das System der Blockchains ist darauf ausgelegt, dass bis zum Jahr 2140 insgesamt 21 Millionen Bitcoins geschürft sind. Damit soll eine Inflation der Bitcoins verhindert werden. Dem Aufgabensystem liegt ein Algorithmus von Satoshi Nakamoto zugrunde, der für jeden aktiven Block eine Aufgabe generiert. Wer die Aufgabe löst, erhält eine Belohnung in Form von Bitcoins, gegenwärtig 12,5. Nach jeweils vier Jahren wird die Belohnung mit dem sogenannten „Bitcoin Halving“ halbiert. Das führt zu Fluktuationen in der Nachfrage, vor allem am Ende und Anfang einer Vier-Jahres-Periode. Da mittlerweile viele Miner mit dem Schürfen beschäftigt sind, werden Sie als Einzelner kaum noch erfolgreich Aufgaben lösen können. Sie können sich jedoch Mining-Farmen anschließen. Täglich erhalten Sie dann anteilig Ausschüttungen aus den errechneten Gewinnen.

Welche Vorteile bieten Bitcoins?

Das dezentrale, irreversible und transparente Verfahren der Blockchains sorgt prinzipiell für ein sicheres System, das nicht manipuliert werden kann. Das wiederum schafft Vertrauen in die Kryptowährung Bitcoin, da die Zahlung ohne Zwischenhändler stattfindet und jeder Teilnehmer jeden Vorgang nachvollziehen kann. Generell gibt es auch keine Transaktionsgebühren, da Bearbeitungsgebühren oder Kosten für Verwaltung und Dienstleistungen wegfallen. Da das Bitcoin-Netzwerk jedoch oft überlastet ist, können Gebühren anfallen, um eine schnellere Transaktion zu gewährleisten.

Ein weiterer Vorteil ist der leichte Zugang zum Bitcoin-System. Denn es wird lediglich ein Gerät mit Internetzugang benötigt. Anders als beim Bankensystem, wo Sie an einen festen Standort gebunden sind und gegebenenfalls Ihre Vermögenswerte offenlegen müssen. Als offizielles Zahlungsmittel sind Bitcoins bisher erst in wenigen Ländern, etwa Japan und Australien, akzeptiert. Ein Grund dafür dürfte die Anonymität ihrer Nutzer sein, die illegalen Geschäften Tür und Tor öffnet. Immerhin finden Geldgeschäfte mittels Bitcoin frei von staatlicher Kontrolle statt. Über den Umweg der eigenen Kreditkarte funktioniert die Zahlung mit Bitcoins allerdings prinzipiell überall.

Welche Risiken beinhalten Bitcoins?

Das größte Risiko betrifft Sie selbst: Im System der Bitcoins gibt es keine Funktion zur Rücksetzung des Passworts. Wenn Sie Ihren Private Key also vergessen, ist der Zugriff auf Ihr Bitcoin-Konto und das dort gelagerte Vermögen dauerhaft erloschen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, in einer Mining-Farm mitschürfen zu wollen, sollten Sie auf schwarze Schafe unter den Anbietern achten, die überzogene Vermittlungsprovisionen kassieren.

Da dem Bitcoin kein realer Wert zugrunde liegt, wird er lediglich durch Angebot und Nachfrage des Marktes bestimmt. Seit Beginn an ist der Bitcoin-Kurs also starken Schwankungen unterworfen. Es gibt zwar einen latenten Aufwärtstrend, der tendenziell am wachsenden Vertrauen in Kryptowährungen begründet liegt. Dennoch besteht immer das Risiko, dass die Bitcoin-Blase platzt und das System in sich zusammenfällt. Und was passiert überhaupt nach dem Jahr 2140, wenn alle verfügbaren Bitcoins geschürft sind?

Ausblick

Der Kurs des Bitcoins ähnelte in den vergangenen Jahren einer Berg- und Talfahrt mit stetigem Aufwärtstrend. Dabei wurde vor allem im ersten Halbjahr 2019 deutlich, welche Kriterien den Trend beeinflussen. Die medienwirksame Ankündigung von Facebook, eine eigene Kryptowährung namens „Libra“ zu schaffen und jede weitere digitale Währung unterstützen das Vertrauen in das neue Geld. Doch auch das Bitcoin-System selbst beflügelt die steigende Kursentwicklung. Im Mai 2020 findet das nächste „Bitcoin Halving“ statt, also die Halbierung des Gewinns für den erfolgreichen Miner eines Blockchain-Blocks. Bis die Belohnung von 12,5 auf 6,25 Bitcoins fällt, werden noch viele Mining-Farmen vom Bitcoin-Kuchen profitieren. Und da bekanntermaßen Angebot und Nachfrage den Markt regulieren, könnten Bitcoins wenigstens bis Mai 2020 ein lohnendes Anlageobjekt sein.

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